Mittwoch, 10. Januar 2018

Vorsätzliches und Salutogenese mit Beuys IX - Verweigere verantwortlich zu sein...



...Tu es aus Liebe. Sagt Beuys.

Was auch immer er damit gemeint hat...mich nicht verantwortlich zu fühlen fällt mir oft schwer. Und diese Verantwortung gar zu verweigern noch mehr. Aber es gibt etwas. Ja, da möchte ich nicht mehr  mitverantwortlich sein...ganz aussteigen geht nicht, aber partiell müsste es doch möglich sein?

Keine Zeit mehr zu haben, für die wichtigen Dinge. Multitasking bis zum Umfallen.
Ich verweigere mich! Und ja: in dieser Entscheidung steckt viel, viel Liebe als Motivation.

Ziemlich gewagt in diesen Zeiten..."wo kämen wir denn da hin?" höre ich von irgendwoher...

"Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken ja darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit.
Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, daß einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen- je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt.
Denn Zeit ist Leben. Und Leben wohnt im Herzen."

( Michael Ende, Momo,  K.Thienemanns Stuttgart 1973, S.57)





Was nützt alle Pflichterfüllung ( also Verantwortung), wenn wir unseren Kindern (und uns selbst) immer wieder sagen müssen "Los, beeile Dich!", "So nun genug gespielt, wir müssen dies und dann noch das...!",
"Tut mir leid ich kann jetzt nicht mit Dir (Freundin) plaudern, ich muss noch Berge an Wäsche waschen und den Haushalt machen.", ...und, und, und .
Aber wie "mistet" man Zeit aus, wie entschleunigt man den Alltag so, dass sich hinterher das zu Erledigende nicht haushoch stapelt? Was diese Fragen betrifft, stehe ich ganz am Anfang einer womöglich langen Entwicklung. Möglicherweise am Beginn einer Reihe von ausstehenden, radikalen Entscheidungen....



" Insbesondere bei der Entwicklung der Industriegesellschaft spielte die Zeit als wichtiges Mittel der sozialen Organisation von Wirklichkeit eine herausragende Rolle. Mit "Zeit" wurde und wird die Ordnung in das soziale Leben gebracht. Die Schlüsselworte dafür heißen " Disziplin" und "Anpassung". "

( Karlheinz A. Geißler, Zeit-verweile doch...Lebensformen gegen die Hast, Herder Spektrum, S. 228 )



"Das Leistungssubjekt überlässt sich dem freien Zwang zur Maximierung der Leistung. So beutet es sich selbst aus. Der Ausbeutende ist gleichzeitig der Ausgebeutete, Täter und Opfer, Herr und Knecht. Das kapitalistische System schaltet von der Fremdausbeutung auf die Selbstausbeutung um sich zu beschleunigen."

(Byung-Chul Han, Müdigkeitsgesellschaft Burnoutgesellschaft Hoch-Zeit, Matthes&Seitz. Berlin 2016, S8.5 ff)




Na, dann würde ich sagen: Los geht´s! es gibt viel zu tun zu lassen!

Falls Du mehr über das Beuys Projekt wissen möchtest: *klick*

Kommentare:

  1. Liebe Taija, in der Tat: die liebe Zeit. Wir beschweren uns meist, wie wenig wir haben, aber können sie kaum genießen oder greifen, wenn wir sie haben. Wie schade! Mehr Auszeit, mehr Ruhe, mehr Zeit für die Zeit! Ein schönes Mantra und eine gute tägliche Erinnerung und - leider zu oft - Ermahnung an uns!
    Lieben Gruß
    Susanne

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    1. ...und ich merke, wie es um das Entschleunigen herum eine Art zeitlichen "Auffahrunfall" gibt...ob es beim bloggen ist, wie eben mal kurz und nebenbei lesen oder kommentieren oder bei anderen Dingen...das kann ja was werden ;-)...Liebe Grüße und schön, dass Du kommentiert hast, der Post liegt mir am Herzen :-)

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  2. ... so wahr und so schwer ...
    Mein Thema ...

    Schönes Wochenende, Slo

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    1. Ja...ein großes Thema...Liebe Grüße!

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